Lofty Kreisrunder Haarausfall: Angriff der Immunzellen

Kreisrunder Haarausfall: Angriff der Immunzellen

Bei kreisrundem Haarausfall werden plötzlich runde Stellen auf dem Kopf kahl. Es gibt Therapien gegen diese Autoimmunkrankheit – und es wird viel geforscht.

Kreisrunder Haarausfall: Verschiedene Formen

Völlig kahle, glatt begrenzte, zum Teil kreisrunde Stellen am Kopf, die plötzlich innerhalb von einigen Monaten entstehen und erst einmal bleiben: Das ist typisch für kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata, abgekürzt AA). Bei leichten Formen sind weniger als 25 % der Kopfhaut betroffen, bei schweren Formen sind mehr als 50 % der Kopfhaut kahl. Zudem können sich auch die Nägel verändern und Querrillen und weiße Tüpfel bekommen.

Kreisrunder Haarausfall ist eine der häufigsten Krankheiten mit Haarverlust: 2 von 100 Menschen bekommen im Lauf ihres Lebens eine AA. Fast jeder zweite Betroffene ist unter 20, also im Teenager- oder sogar im Kindesalter. Und insgesamt zwei Drittel aller Menschen mit AA sind zum Zeitpunkt des sichtbaren Krankheitsbeginns jünger als 30.

Sonderformen der AA

Es gibt zwei besondere Verläufe bei AA:

  • die Alopecia areata totalis mit völligem Verlust der Kopfhaare. Betroffen sind etwa 10 % aller Erkrankten
  • die Alopecia areata universalis mit dem Verlust aller Körperhaare. Das heißt, auch die Haare in Nase und Ohren, die wie die Wimpern vor Staub etc. schützen, fallen aus. Außerdem sind auch die Flimmerhärchen in den Bronchien betroffen, die die Lunge vor Schmutz schützen und eine Reinigungsfunktion haben. Diese Sonderform kommt bei 2 von 100 Erkrankten vor

Was bekannt ist, und was man noch nicht weiß

Man weiß schon länger, dass kreisrunder Haarausfall eine Autoimmunkrankheit ist. Dabei bilden Haarfollikel bestimmte Moleküle. Darauf „springen“ Immunzellen an und erkennen die Follikel nicht mehr als körpereigen. Und deshalb lagern sich die Immunzellen um die Haarfollikel und greifen diese an. Dadurch entsteht eine mit bloßem Auge nicht sichtbare Entzündung an Haarfollikeln, die dazu führt, dass dort die Haare ausfallen. Zwar bleiben die Haarfollikel erhalten, können aber, solange der „Immunangriff“ besteht, keine Haare mehr produzieren.

Ähnlich fehlgeleitete Immunreaktionen kennt man auch von anderen Autoimmunkrankheiten wie bei Rheuma, wo Gelenke durch körpereigene Immunzellen zerstört werden.

Neurodermitis, Asthma und Co.

Bekannt ist, dass Menschen mit Atopie ein erhöhtes Risiko haben, im Lauf des Lebens an AA zu erkranken. Unter Atopie versteht man die Neigung von Haut und Schleimhäuten, allergisch auf natürliche oder künstliche Stoffe zu reagieren, die bei anderen Menschen keine Reaktion auslösen. Bekannte atopische Krankheiten sind Asthma, Heuschnupfen und Neurodermitis. Solche Krankheiten haben wie die AA erbliche (genetischen) Komponenten.

Gehäuft in Familien

Ebenfalls weiß man, dass es bei AA eine erbliche – genetische – Komponente gibt. Denn die AA kommt in bis zu 25 % der Fälle gehäuft in Familien bzw. in der nahen Verwandtschaft vor. Einige der beteiligten Genabschnitte kennt man schon – das sind zum Teil solche, die auch bei anderen Autoimmunkrankheiten wie Rheuma, Diabetes Typ I oder Schuppenflechte eine Rolle spielen. Anderen Genen sind die Forscher auf der Spur.

Erhöhtes Risiko für andere Autoimmunkrankheiten

Menschen mit AA erkranken häufiger als andere an weiteren Autoimmunkrankheiten, wie

  • Autoimmunkrankheiten der Schilddrüse
  • Rheumatoide Arthritis
  • Chronisch-entzündliche Darmkrankheiten
  • Hautkrankheiten wie Schmetterlingsflechte, oder auch die Weißfleckenkrankheit, bei der Hautareale die Pigmente verlieren und ganz weiß werden. Davon betroffen ist zum Beispiel das bekannte Model Winnie Harlow
  • Diabetes Typ I (bei dieser Form der Zucker-Krankheit werden die Insulin-produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört)

Bei manchen wachsen die Haare wieder, bei anderen nicht

Ärzte wissen noch nicht, warum bei der AA oft nur bestimmte behaarte Stellen auf und am Kopf betroffen sind, die Nachbar-Areale aber nicht. Und warum sich die AA bei einigen der Betroffenen auf den ganzen Kopf oder den ganzen Körperausweitet. Unklar ist auch, warum kreisrunder Haarausfall bei einigen wieder verschwindet, bei anderen aber entweder ausheilt und dann wiederkommt – oder überhaupt nicht ausheilt.

Was löst kreisrunden Haarausfall aus?

Warum einige Menschen mit einer erblichen Neigung für eine AA erkranken, andere aber nicht, ist immer noch nicht geklärt.

Als eine mögliche Ursache wird schwerer seelischer Stress diskutiert. Doch das akzeptieren nicht alle Wissenschaftlern. Zwar berichten viele Menschen mit AA, dass sie Monate vor Beginn des kreisrunden Haarausfalls eine schwere psychische Krise durchleben mussten, etwa durch den Tod eines geliebten Menschen oder wegen einer schwierigen Trennung. Doch nicht alle Patienten mit kreisrundem Haarausfall hatten solche Erlebnisse.

Ein Beispiel für Stress als Auslöser

Eine Patientin mit AA hatte nach der ersten Therapie zunächst wieder neue Haare bekommen.  Dann geriet die Frau eines Tages auf der Autobahn in eine Verfolgungsjagd, bei der die Polizei hinter einem Verbrecher her war. Nach ein paar Tagen fielen der Patientin wieder fast alle Kopfhaare aus. Glücklicherweise wuchsen die Haare nach erneuter Therapie wieder nach, wie Privatdozentin Dr. med. Verena von Felbert von der Universitäts-Hautklinik Aachen berichtet.

Umweltgifte?

Immer wieder diskutieren Betroffene und Ärzte, ob Umweltfaktoren oder potenziell giftige Substanzen kreisrunden Haarausfall verursachen könnten.  Wissenschaftler meinen dazu, dass noch eindeutige Belege fehlen.

Diagnostik bei AA

Die AA ist eine der wenigen Krankheiten mit Haarausfall, bei denen die Anamnese und der Blick auf die befallenen Stellen sowie auf die Fingernägel in der Regel zur Diagnose ausreichen.

Typisch für AA sind

  • Plötzlicher Beginn des Haarausfalls
  • Kreisrunde, völlig kahle Stellen ohne sichtbare Hautveränderungen, die auch ineinander gehen können bis hin zu kompletter Haarlosigkeit
  • Bei 25 % der Patienten auch Nagelveränderungen mit Querrillen und/oder weißen Tüpfeln

Eine weitere Diagnostik wie Biopsie der Kopfhaut, Trichogramm (mikroskopische Untersuchung der Haarwurzeln) oder Blutuntersuchungen sind nur selten nötig.

Krankheiten, die kreisrunden Haarausfall imitieren können

Ärzte werden mitunter andere Krankheiten ausschließen müssen, die ähnliche Muster von Haarausfall verursachen können, zum Beispiel

  • Haarausfall mit Narbenbildung: Zur Diagnose sind u.a. Hautbiopsien nötig
  • Haarausfall bei Syphilis: Bei einem solchen Verdacht veranlassen Ärzte u.a. Blutuntersuchungen
  • Pilzkrankheiten (vor allem bei Kindern)
  • Haarausfall bei anderen Krankheiten wie Schmetterlingsflechte etc.
  • Zwanghaftes Ausreißen der Haare: Bei dieser Krankheit rupfen sich die Betroffenen selbst die Haare aus. Meist handelt es sich um junge Mädchen, die das Ausreißen leugnen oder denen das gar nicht bewusst ist. Anders als bei AA sieht man aber keine komplett kahlen Kopfhautstellen, sondern abgebrochene Stoppelhaare auf den kahlen Arealen

Wie verläuft kreisrunder Haarausfall?

Die Krankheit beginnt plötzlich und ohne Schmerzen. Wie aus heiterem Himmel bilden sich oft ein oder zwei Stellen auf dem Kopf, die kreisrund und völlig kahl sind. Manche Patienten berichten von einem leichten Juckreiz.

Bei 60 bis 80 % der Betroffenen hört der Haarausfall nach einigen Monaten von allein auf, und die Haare wachsen wieder nach, auch ohne Therapie. Allerdings kann es ein- oder mehrfach im Lauf der Zeit zu erneutem kreisrunden Haarausfall kommen. Aber auch dann kann die AA spontan wieder ausheilen. Allerdings bleiben bis zu 30 % aller Betroffenen dauerhaft haarlos.

Vorhersage-Faktoren für den weiteren Verlauf

Wissenschaftler stellten fest, dass es einige Vorhersage-Faktoren für den besonders ungünstigen Krankheitsverlauf gibt, bei dem die Haare nicht mehr nachwachsen. Das sind:

  • Krankheitsbeginn in jungen Jahren
  • Zusätzliche atopische Krankheiten wie allergisches Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis
  • Ausgedehnte befallenen Stellen oder kompletter Haarverlust
  • Lang anhaltender Haarverlust
  • Nagelveränderungen

Die Statistik sagt nichts über den weiteren Verlauf aus

Die Vorhersage-Faktoren sind statistische Beobachtungen, und wie immer sagt die Statistik auch hier nichts über das Schicksal der einzelnen Patienten aus. Auch bei Betroffenen mit mehreren ungünstigen Faktoren und schwerer AA-Form können die Haare wieder dauerhaft nachwachsen, während es bei anderen Menschen mit scheinbar günstiger Ausgangslage bei lebenslangem Haarverlust bleibt.

Therapien und Therapieversuche

Da es oft zu spontanem Nachwachsen der Haare kommt, kann man besonders bei leichten Verläufen mit kosmetisch nicht so störenden kahlen Stellen auch erst einmal abwarten, bevor man behandelt.

Entscheiden sich Betroffene und Ärzte für eine Behandlung, gibt es mehrere Möglichkeiten. Denn es gibt verschiedene Therapien, die zum Teil eine gute und nachgewiesene Wirksamkeit haben.

Immunstimulation mit DCP

Eine der am besten bewährten Therapien bei kreisrundem Haarausfall ist das Auftragen von Immunstimulanzien wie Diphenylcyclopropenon (abgekürzt DCP oder DPCP) auf die kahlen Hautstellen.

Aber ist eine solche Immunstimulation der Haut nicht paradox? Denn die überschießende Immunreaktion des Körpers ist ja gerade die Ursache der AA.

Tatsächlich ist es so, dass DCP Immunzellen aktiviert, wenn es auf die Haut aufgetragen wird (sogenannte Kontaktallergie). Diese mit Absicht alarmierten Immunzellen sondern nun Stoffe ab und machen die „Angreiferzellen“ an den Haarfollikel unschädlich.

So funktioniert die Therapie mit DCP

Oft wird am Anfang nur eine kahle Stelle oder ein Teil der Areale mit DCP behandelt. Denn die Therapie hat Nebenwirkungen und wirkt nicht bei allen Patienten mit AA. Außerdem ist die Quote der spontanen Ausheilung (also ohne jedwede Therapie) mit bis zu 80 % sehr hoch. Wachsen nach einigen Monaten die Haare auf den behandelten Stellen nach, können auch die anderen Areale behandelt werden.

Sprießen jedoch auch die Haare auf den nichtbehandelten Stellen wieder, wird die Behandlung abgebrochen, weil es sich offensichtlich um eine spontane Heilung handelt.

Unerwünschte Nebenwirkungen sind starke allergische Hautreaktionen, Lymphknotenschwellungen und mögliche Pigmentstörungen der behandelten Hautstellen (fleckiges Weiß- oder Braunwerden). Und man muss wissen, dass zunächst der Haarausfall weiter gehen kann, bis die Therapie greift.

Ein typisches Therapieschema mit DCP

  • Als erstes wird eine Sensibilisierung mit einer zweiprozentigen DCP-Lösung ausgelöst
  • Nach zwei Wochen wird eine hochverdünnte DCP-Lösung aufgetragen (0,0001 %).
  • In der folgenden Einstellungsphase wird im Wochenabstand die Konzentration der DCP-Lösung gesteigert, z.B.  auf 0,001 %, 0,01 %, 0,1 % bis zu 1 %
  • Ist die individuelle Konzentration gefunden, wird einmal pro Woche behandelt
  • Funktioniert die Therapie, beginnt nach 2 bis 3 Monaten das Haarwachstum auf den behandelten Stellen
  • Die Therapie wird dann solange fortgeführt, bis die Haare wieder dicht nachgewachsen sind bzw. der Betroffene mit dem kosmetischen Ergebnis zufrieden ist
  • Dann werden die Therapie-Intervall schrittweise verlängert bis zum Absetzen der Therapie
  • Kommt es nach Therapie-Ende zu einem Rückfall, wird die Behandlung sofort wieder aufgenommen mit der individuellen DCP-Konzentration und Auftragen im Wochenabstand

Erfolgsquoten bei DCP-Therapie

Nach Studiendaten waren bei rund 78 % der mit DCP behandelten Patienten nach 32 Monaten die Haare wieder gut nachgewachsen. Allerdings brach die AA bei rund 62 % der Patienten nach Ende der Therapie wieder aus.

Bei schweren Verlaufsformen der AA mit Ausfall aller Kopfhaare bzw. Ausfall aller Körperhaare ist die Erfolgsquote der ersten DCP-Therapie mit gut 60 % geringer als die bei weniger schwerer AA.

Auch andere Reiztherapien mit Stoffen wie Dithranol oder Vitamin-A-Säure (Tretinoin) wirken ähnlich wie DCP nach dem Prinzip der gewollten Immunstimulation.

Therapien mit Kortison

Kortison: Es gibt mehrere Möglichkeiten, bei AA mit Glukokortikoiden (oft Kortison genannt) zu behandeln. Ärzte nutzen dabei die bekannte dämpfende Wirkung der Kortikoide auf das Immunsystem.

  • Eine Möglichkeit ist es, geringe Kortisonmengen mit einer dünnen Nadel direkt in die kahlen Stellen zu spritzen. Die Kortisonlösung wird in der Regel mit einem Mittel zur örtlichen Betäubung  verdünnt. Eine der unerwünschten Nebenwirkungen dieser Therapieform ist aber ein Gewebeschwund der behandelten Kopfhautareale, und dann können keine Haare mehr wachsen
  • Oder es werden Kortison-haltige Salben, Schaum oder Tinkturen direkt auf die betroffenen Stellen aufgetragen.
  • Inzwischen wird eher selten Kortison in Tablettenform verabreicht wegen der bekannten Nebenwirkungen auf den ganzen Körper.

Wissenschaftler bemängeln aber immer wieder, dass es keine großen Studien mit vielen AA-Patienten gibt, in denen die Wirkung der Kortikoide mit der eines Scheinmedikaments verglichen wurde (sogenannte Placebo-kontrollierte Studien).

Behandlung mit Zink und Biotin

Das Spurenelement Zink und das Vitamin Biotin (Vitamin B7) sorgen unter anderem für schöne, gesunde Haare. Aus diesem Grund sagen Wissenschaftler, dass die Einnahme zum Beispiel für 6 bis 8 Wochen nicht schaden kann und durchaus als unterstützende Therapie infrage kommt.

Zumindest für Zink liegt deshalb eine Wirksamkeit nahe, weil in Studien gezeigt wurde, dass viele Patienten mit AA eine niedrige Zinkkonzentration im Blut haben. Zink ist wichtig für die Funktion vieler Zellen. Bekannt ist auch, dass Zinkmangel in den Zellen das Haarwachstum verlangsamt, und dass die Haare auch leichter abbrechen.

Künstliches Vitamin D3

Calcipotriol ist ein künstlich hergestelltes Vitamin D3 und wirkt immunmodulierend. Patienten mit Schuppenflechte zum Beispiel nutzen eine Creme mit dem Stoff. In einer Studie bekamen Patienten mit leichterer AA eine solche Creme 12 Wochen lang zweimal täglich. Bei einem Viertel wuchsen die Haare wieder komplett nach; bei zwei Dritteln zu 75 %, bei den übrigen zu 50 %.

Andere Medikamente

Kreisrunder Haarausfall ist eine Autoimmunkrankheit ist, ähnlich Rheuma oder Schmetterlingsflechte. Da auch ein Zusammenhang zum Beispiel mit Asthma und Neurodermitis besteht, vermuten Wissenschaftler, dass Medikamente gegen solche Krankheiten auch bei AA helfen könnten. Außerdem könnten auch Substanzen wirken, die das Immunsystem dämpfen und die zum Beispiel Patienten mit schweren immunbedingten Erkrankungen  bekommen. Allerdings: Solche Medikamente haben mitunter erhebliche Nebenwirkungen und bislang auch keine Zulassung zur Therapie bei kreisrundem Haarausfall.

Manche Ärzte versuchen auch Medikamente wie Minoxidil, mit denen man bei erblichem Haarausfall gute Erfolge erzielt.

Bestrahlungstherapie PUVA

Bei dieser Therapie tragen Ärzte oder Praxisassistentinnen zunächst den Wirkstoff Psoralen auf die kahlen Areale auf. Psoralen macht unter anderen Immunzellen in der Kopfhaut empfindlich gegen UV-Strahlen – also auch die aggressiven Immunzellen, die bei AA das Haarwachstum unterbinden. Ähnlich wie bei der DCP-Therapie braucht jeder Patient eine individuelle Wirkstoff-Dosierung.

Anschließend wird die Kopfhaut mit langwelligem UVA-Licht bestrahlt (PUVA ist die Abkürzung für Psoralen plus UVA). Empfohlen werden zum Beispiel 3 bis 4 Sitzungen pro Woche.

Mit PUVA gibt es durchaus Erfolge bei AA. Das Problem ist: Wenn die Haare wieder nachwachsen, bedecken sie die Kopfhaut. Dann kommt das wirksame UV-Licht an den betroffenen Stellen kaum noch an. Das erklärt die recht hohe Rückfallquote.

Durchblutungsfördernde Hautmittel

Substanzen wie Benzylnicotinat reizen die Haut und sorgen so für eine starke Durchblutung, einschließlich Rötung und Hitzegefühl. Diese stark vermehrte Durchblutung soll die Versorgungen der Haarfollikel mit Nährstoffen fördern und die schädlichen Autoimmunstoffe inaktivieren oder abtransportieren. Eindeutige Wirksamkeitsdaten aus Studien gibt es noch nicht. Allerdings soll die Therapie einzelnen Patienten geholfen haben.

In Zukunft

Wissenschaftler entdecken immer mehr Details darüber, wie überschießende und falsche Immunreaktionen gegen Haarfollikel bei AA das Haarwachstum hemmen. Inzwischen haben Forscher verschiedene Botenstoffe und Signalwege entdeckt, die für die Entwicklung von kreisrundem Haarausfall bedeutsam sein könnten. Es gibt verschiedene Substanzen, die genau dagegen wirken könnten. Dazu laufen verschiedene Studien.

Fazit:

  • Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata, abgekürzt AA) ist eine Autoimmunkrankheit wie Rheuma oder Schuppenflechte
  • Falsch aktivierte Immunzellen greifen die Haarfollikel an und stoppen den Haarwuchs
  • Es gibt drei Arten von AA: kreisrunde kahle Stellen auf dem Kopf; Vollglatze (AA totalis) und Ausfall aller Körperhaare (AA universalis)
  • Die Krankheit beginnt oft in jungen Jahren; die meisten Betroffenen sind jünger als 30
  • Es gibt gehäuft Fälle in Familien, was auf eine erbliche Komponente hinweist
  • Viele Patienten mit AA haben auch Krankheiten wie Neurodermitis und zusätzlich ein erhöhtes Risiko, andere Autoimmunkrankheiten zu bekommen
  • Die AA kann nach einem Krankheitsschub ausheilen; sie kann aber auch immer wieder kommen. Bei jedem dritten Patienten wachsen die Haare nicht mehr nach
  • Der Verlauf kann nicht vorher gesagt werden
  • Es gibt bewährte Therapien wie DCP und Kortison; aber auch andere Therapien werden versucht
  • Wissenschaftler erforschen neue Substanzen zur Behandlung

Gabriele Wagner, Redaktion health & hair

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